Junge Tunesier vertun Ausbildungs-Chancen in Deutschland / Kritik an TAPiG-Programm

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Wenn ein Land in Schwierigkeiten ist, dann ist Deutschland grundsätzlich zur Hilfestellung bereit. Diese im Grunde wunderbare Einstellung der verhältnismäßig reichen  Bundesrepublik zeigt bisweilen auch seine Schattenseiten.

Um diese Hilfe strukturell schwachen Ländern gegenüber zu leisten, stehen dem Bundesministerium für Internationale Zusammenarbeit und Entwicklung BMZ allein schon im Haushaltsjahr 2013 satte 6,3 Milliarden Euro zur Verfügung. Mit 3 Mrd. Euro steht knapp die Hälfte des Haushalts für bilaterale staatliche Zusammenarbeit bereit.

Tunesien ist ein Chancenland

(c): Deutsche Bundespost

Eines der würdigen Nehmerländer ist Tunesien. Das Land ist mit seiner verhältnismäßig friedlichen Jasmin-Revolution die Keimzelle der Arabellion gewesen, die aktuell Ägypten ins Chaos stürzt. Tunesien ist mental und kulturell enger an Europa gebunden. Es zählt unter den so genannten FEMIP-Staaten, den EU-Nachbarländern im Mittelmeerraum, zu den Hoffnungsträgern. Investitionen gelten hier als lohnenswert. Der Europäische Wirtschafts Verlag des Darmstädter Verlegers Christian Kirk hat 2013 gemeinsam mit dem BMZ ein Buch über den Wirtschaftsstandort Tunesien veröffentlicht.  Das Buch gibt Aufschluss über die aktuellen rechtlichen, politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen Tunesiens und ist auch online kostenfrei in Deutsch, Englisch und Französisch verfügbar. Am 25. August 2013 wird das Medienprojekt erneut im Rahmen des Tags der offenen Tür des BMZ vorgestellt und die Entwicklung Tunesiens im Rahmen einer Podiumsdiskussion diskutiert.

Sowohl die Kreditanstalt für Wiederaufbau KfW als auch die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit GIZ unterstützen die Entwicklung des aufstrebenden Landes. Auch aus Europa kommt Hilfe. So hat die vom ehemaligen Bundesminister Dr. Werner Hoyer geführte Europäische Investitionsbank  EIB allein für Tunesien Darlehen im Umfang von 1,7 Mrd. Euro ausgeschüttet.

Die Tunesier gelten als fleißig und loyal ihren Arbeitsgebern gegenüber. So hatten während der Jasmin-Revolution die Mitarbeiter des Spielzeugherstellers Schlaich ohne Auftrag der Geschäftsführung “ihr” Werk vor Plünderungen geschützt und die Fabrik Tag und Nacht bewacht.

Wunschträume tunesischer Auszubildender gefährden TAPiG-Projekt

Eine Eigenschaft der Menschen, die auch die unter Personalmangel leidende Asklepios-Klinik in Hamburg nutzen wollte. Das Auswärtige Amt, das Goethe-Institut und weitere Organisationen hatten das Programm TAPiG (Transformationspartnerschaft im Gesundheitswesen) aufgelegt, durch welches jungen Tunesiern in Deutschland eine Ausbildung ermöglicht werden sollte. Allein die Asklepios-Klinik wollte 150 Ausbildungsverträge mit anschließender Übernahmegarantie übernehmen – zu Tarifgehältern von wenigstens 2.192,64 Euro für die ausgebildeten Krankenpfleger. Sechs Monate sollte vorneweg Kultur und Sprache vermittelt werden. Die Auszubildenden sollten in City-Apartments untergebracht werden.

Djerba Medina (c) Öger Tours

Was als “Leuchtturmprojekt” begann, scheint nun indessen an die Grenzen realkultureller Verhältnisse zu stoßen. Das TAPiG-Projekt gerät ins Stocken, da sich einige Auszubildende mehr erhofft hatten. Die Bild-Zeitung hatte sich mit dem Projekt auseinandergesetzt. Eine Auszubildende spricht offen ihre Beweggründe an: “Ich kam mit vielen Träumen her, dachte, Euros regnen vom Himmel. Ich habe von einem Auto geträumt, einer Villa – aber das blieben Träume.” (zit. BILD-Ztg. vom  17. August 2013). Einige Auszubildende schoben Rassismus und religiöse Gründe vor, um ihre Kritik am Projekt zu untermauern. Argumentiert wurde auch über den partiellen Rückzahlungsmodus. Die Teilnehmer des Ausbildungsprojektes sollten nach der Ausbildung rund 19.000,- Euro zurückzahlen – ein unter Berücksichtigung deutscher Bafög-Regelungen normaler Ablauf. Es stellt sich die Frage, weshalb die jungen Menschen mit derart paradiesischen Vorstellungen  nach Deutschland kommen konnten. Schon in Tunesien hätte man die die jungen Menschen auf die harten aber im Grund guten Aussichten vorbereiten und falsche Träume durch Vorgespräche von vornherein platzen lassen müssen.

Tunesier für Tunesien ausbilden – EU-Jugendarbeitslosigkeit konstruktiv nutzen

Asklepios hat inzwischen reagiert und 13 der ersten 25 Verträge wegen Unzuverlässigkeit gekündigt. Nur wenige Einwanderer sehen in der konsequenten Ausbildung auf hohem Niveau eine Chance fürs Leben. Mit der Ausbildung in deutschen Kliniken hätten die jungen Tunesier in ihrer Heimat später die besten Aussichten und trügen zur Verbesserung der Arbeitsprozesse in tunesischen Klinken bei.

Die Erfahrung zeigt, dass eine Förderung der nachwachsenden Generationen sinnvoller in dem Heimatland sein kann. Partnerschaften mit tunesischen Kliniken bzw. Unternehmen sind denkbar, bei dem ein Teil der Ausbildung ohne Übernahmegarantien in Deutschland absolviert werden kann. Kehrt der Auszubildende in sein Heimatland zurück, so ist er Kollegen ggb. fachlich im Zweifel voraus und trägt zur Verbesserung der Ausbildung in seinem Heimatland bei. Arbeitswilige Kräfte könnten deutsche Unternehmen nach Abschluss der Ausbildung abwerben und nach Deutschland holen, sofern Fachkräfte aus Deutschland und der EU nicht anzuwerben sind. Da Deutschland unter Fachkräftemangel  leidet, muss mit den außerhalb der EU stammenden Praktikanten und Auszubildenden über die zwar guten Ausbildungsmöglichkeiten, aber eben auch offen über tatsächlichen Lebensverhältnisse und vor allem über die Erwartungen deutscher Arbeitgeber hinsichtlich Arbeitsbereitschaft und -qualität in der Dienstausführung  gesprochen werden. Falsche Hoffnungen kosten im Zweifel schlichtweg Geld und langfristig auch Sympathiepunkte in den bilateralen Beziehungen.

Das Projekt TAPiG zeigt, dass auch die Anwerbung von Arbeitskräften aus dem Ausland mit Augenmaß und Realitätssinn erfolgen muss. Es zeigt auch, dass es im Zweifel besser ist, deutschen Schülern mit minderem Schulabschluss während der Berufsausbildung durch Fördermaßnahmen den höheren Abschluss in einem neu zu entwickelnden dualen System bei verlängerter Ausbildungszeit und damit auch den sozialen Aufstieg anzubieten.

Zusätzliche Leistungen wie übertarifliche Ausbildungsgehälter oder durch den Ausbau von sozial-kulturellen oder sportlichen Angeboten für Mitarbeiter könnten weitere Motivations-Anreize darstellen. Wo das deutsche Bildungssystem nicht weiterkommt, da kann durch eine aufgewertete berufsschulische Förderung Ausgleich geschaffen werden. Hier sind auch die Unternehmen selbst gefragt, neue Wege zu entwickeln und etwa durch eigene Pädagogen die Ausbildung auch für Schulabsolventen weiter aufzuwerten. Der Staat stößt durch immer fragwürdigere Schulmethoden  – so kann man als Schüler in Niedersachsen beispielsweise demnächst nicht mehr “sitzenbleiben” – an seine Grenzen, weil das Problem Demographischer Wandel und Fachkräftemangel durch die Beschleunigung der Schulausbildung auch zur schlechteren Bildung führt. Dies durch wohlwollende Programme im Ausland kompensieren zu wollen, ist durchaus kritikwürdig.

TAPiG-Erfahrungen nutzen und Programm anpassen

Entwicklungshilfe sollte sich auf das Entwicklungsland konzentrieren und der Fachkräftemangel zunächst in Deutschland und Europa gelöst werden. Eine Neuausrichtung des gut gemeinten TAPiG-Projektes auf die Förderung der Ausbildung in Tunesien selbst – mit entsprechenden längeren Praktika in der Bundesrepublik – erscheint sinnvoll, sollte dann aber nicht vom Auswärtigen Amt, sondern eher vom BMZ koordiniert werden. Der Fachkräftemangel kann zunächst innerhalb der EU gelöst werden. 25 bis 50 % Jugendarbeitslosigkeit in Spanien, Griechenland oder Portugal bietet – sollte man meinen – genügend Potenzial für die Anwerbung von Fachkräften bzw. Auszubildenden in allen Bereichen und Ausbildungsberufen zwischen Gesundheitswirtschaft, Handwerk und anderen Industrieberufsausbildungen.

Bernhard Knapstein

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Gesundheitsversorgung sichern – Mediziner brauchen Berufs- und Standortattraktivität

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Deutschland genießt im Ausland einen exzellenten Ruf in Fragen der Gesundheitswirtschaft. Patienten reisen sogar extra aus dem Ausland nach Deutschland, um sich hier komplizierten Operationen und speziellen Therapien  zu unterziehen. Dieser gute Ruf darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Land partiell unter einer medizinischen Unterversorgung leidet. Über Symptome und Wege aus der Krise setzt sich unser Autor Prof. Dr. Thomas Schlegel auseinander.

Autor: Prof. Dr. jur. Thomas Schlegel

Als 1992 bundesweit die Zulassungssperren für die Niederlassung von Ärzten als Antwort auf die damalige „Arztschwemme“ eingeführt wurde, konnte sich kaum jemand vorstellen, dass 20 Jahre später das Ringen um Ärzte zu einer bedeutenden Herausforderungen werden könnte.

Nun droht insbesondere in ländlichen Gebieten eine medizinische Unterversorgung. Im Bundesland Hessen sind aber bereits viele Maßnahmen ergriffen worden, um die ambulante und stationäre medizinische Versorgung wohnortnah zu gewährleisten.

Ärztemangel und seine Ursachen 

Woran liegt der drohende Mangel an Ärzten? Eine KBV-Studie zur Altersstruktur und Arztzahlenentwicklung (2010) gibt Aufschluss über die Hintergründe. Ein Hauptproblem ist das stetig steigende Durchschnittsalter der Ärzteschaft. Dieses liegt derzeit bei Vertragsärzten bei knapp 53 Jahren, bei stationär tätigen Ärzten mit knapp 42 immerhin knapp 10 Jahre darunter. Rund 25.000 Vertragsärzte sind derzeit bereits über 60 Jahre alt und gehören damit zur Gruppe der potentiell ihre Praxis abgebenden Ärzte. Dies entspricht zurzeit etwa 20% der insgesamt berufstätigen Ärzteschaft. Dies wäre unproblematisch, wenn die Anzahl der potenziellen Nachfolger dem die Waage hielte. Dem ist aber nicht so. Stattdessen ist die Zahl der unter 35-jährigen Berufseinsteiger der Ärzteschaft dramatisch auf knapp 17% gesunken. Beide Trends sind seit über 10 Jahren gegenläufig und verstärken die Sorge um eine künftige flächendeckende, wohnortnahe ärztliche Versorgung.

Das Bild ist im stationären Bereich ähnlich, denn auch hier herrscht Ärztemangel. Das Deutsche Krankenhaus Institut hat 2010 in einem Forschungsprojekt festgestellt, dass in Deutschland ca. 5.500 Arztstellen in stationären Einrichtungen nicht besetzt werden können. Die Autoren der Studie führen dazu aus: „Bis zum Jahr 2019 wird zur Bedarfsdeckung an Ärzten (inklusive der vertragsärztlichen Versorgung und anderer Bereiche) ein Zugang von 139.000 Ärzten benötigt. Diese Zahl setzt sich zusammen aus einem Ersatzbedarf von 108.000 Ärzten (vor allem infolge altersbedingter Berufsaufgaben) und einem Mehrbedarf von 31.000 Ärzten (insbesondere wegen der Bevölkerungs- und Mobilitätsentwicklung und der Zunahme der Teilzeitarbeit). Saldiert man den künftigen Ärztebedarf mit den wahrscheinlichen Neuzugängen aus dem Medizinstudium, dann würden nach dem derzeit realistischsten Szenario bis zum Jahr 2019 etwa 37.400 Ärzte fehlen“.

Auswirkungen für Gesundheitsversorgung in ländlicher Region 

Was bedeutet dies für die künftige Versorgungssituation insbesondere außerhalb von Ballungsgebieten, in denen 60 % der Bevölkerung in Hessen wohnen? Die Interdependenzen zwischen stationärer und ambulanter Versorgung werden in der Regel nur dort wahrgenommen, wo bereits Mangelerscheinungen auftreten. In vielen Regionen leisten sich die jeweiligen Sektoren jedoch noch den Luxus, sich zumeist auf der Basis von stereotypen Aussagen gegenseitig zu bekämpfen: „Krankenhäuser drängen in die ambulante Versorgung und vernichten die Existenz von Vertragsärzten“; „Krankenhausgeführte MVZ sind nur auf die Vernichtung von Praxen ausgerichtet“; “niedergelassene Ärzte missbrauchen ihre Zuweisungsmacht gegenüber Krankenhäusern” usw.

Der Bundesrat hat in seinem Beschluss vom 23.09.2011 zum Versorgungsstrukturgesetz (GKV-VSG) zum Thema Medizinische Versorgungszentren (MVZ) dagegen ausgeführt: In Sachsen befinden sich zum Beispiel die existierenden MVZ zu 50 Prozent in der Trägerschaft von Krankenhäusern. Dabei spielen insbesondere MVZ, die von kommunalen Trägern getragen werden, aber auch MVZ an Landeskrankenhäusern, eine herausragende Rolle. Ohne die Tätigkeit dieser MVZ wäre in einigen Regionen die ambulante ärztliche und psychotherapeutische Versorgung nicht mehr in dem erforderlichen Maße sichergestellt.“

 Im Klartext bedeutet dies

 Ø  für Krankenhäuser:

Das Wegsterben ambulanter Praxen bedroht Krankenhäuser, indem ihnen schlicht die Zuweiser und Nachbehandler fehlen.

 Ø  für ambulante Praxen

Die Verringerung der Zahl der ambulanten Haus- und Facharztpraxen reduziert bei gleichzeitig sinkender Nachfrage von Nachfolgern erheblich den Praxiswert. Sinkt die Auslastung des regionalen Krankenhauses und damit dessen Wirtschaftlichkeit, sind im besten Fall einzelne Abteilungen, schlimmstenfalls die ganze stationäre Einrichtung von der Schließung bedroht.

 Ø  für eine Kommune/Region

Der Wegfall einer funktionsfähigen regionalen Gesundheitsversorgung – ambulant und stationär – bedroht die gesamte Attraktivität eines kommunalen Standortes. Ohne intakte Gesundheitsversorgung werden keine jungen Familien zuziehen und die ältere Bevölkerung nicht mehr adäquat versorgt. Das betrifft auch die ärztliche Versorgung in örtlichen Pflegeeinrichtungen. Der Verlust der Standortattraktivität zieht zudem eine Reduktion der Attraktivität für Unternehmen nach sich, die einen geeigneten Standort für Neuansiedlungen suchen. Die Kommune kämpft daher gleichzeitig gegen Abwanderung der Bevölkerung, wie auch für die Erhöhung der Attraktivität für potenzielle Zuwanderung. Die Gesundheitsversorgung ist dabei ein wichtiger Schlüssel für die wirtschaftliche Entwicklung einer Region.

 Ressourcenteilung ist der Schlüssel künftiger medizinischer Versorgung 

Mit den vorgenannten Statistiken lässt sich jedoch nur die Symptomatik, nicht aber die Ursache der rückläufigen Arztzahlen darstellen. Wie schafft man es nun als Gemeinde in Hessen, Ärzten die Tätigkeit vor Ort schmackhaft zu machen? Das DKI stellt in seinem Forschungsprojekt für Krankenhäuser fest: „Zur Bekämpfung des Ärztemangels setzen viele Krankenhäuser zusehends finanzielle Anreizinstrumente ein, wie außer- oder übertarifliche Zahlungen, Leistungsprämien bzw. Boni oder die finanzielle Unterstützung von Kosten für Fortbildungen, Kongresse etc. Solche Anreizinstrumente werden überproportional von Krankenhäusern mit größerem Ärztemangel eingesetzt.“

Parallel setzt die Politik nicht zuletzt im Versorgungsstrukturgesetz auf finanzielle Anreize auch bei niedergelassenen Vertragsärzten, welche bereit sind, in unterversorgten Regionen ihre Tätigkeit (zumindest teilweise) aufzunehmen.

Diese wirtschaftlichen Maßnahmen sind sehr wichtig, da sie zweifellos den wirtschaftlichen Aspekt und die seit Jahren diesbezüglich bestehende Verunsicherung der Ärzteschaft adressieren. Für Freunde von Ärzteklischees mag es daher überraschen, dass der monetäre Verdienst nur ein Teilaspekt der Attraktivität des Arztberufes ist, wie die Studie von PD Dr. med. Rüdiger Jacob von der Universität Trier “Berufsmonitoring von Medizinstudenten” im Jahr 2010 feststellte. der Versorgungsatlas Rheinland-Pfalz der Universität Trier und der KV Rheinland-Pfalz fängt beim tatsächlichen regionalen medizinischen Versorgungsbedarf an. Dabei ist es nicht überraschend, dass dieser regional durchaus variieren kann. So ist beispielsweise die Häufigkeit von Depressionserkrankungen in einem Bundesland nicht flächendeckend identisch, sondern zeigt erhebliche regionale Abweichungen. Der sich daraus ergebende Haus- und Fachärztebedarf allein für dieses Krankheitsbild ist folglich ebenso unterschiedlich. So gibt es eine Vielzahl von Krankheitsbildern, deren regionaler medizinischer Bedarf erfasst und einer Evaluation sowie einer Interventionsplanung zugeführt werden kann. Dabei ist selbstverständlich die bestehende Versorgungssituation ambulant und stationär zu berücksichtigen, sowie konkrete Maßnahmen für festgestellten Versorgungsbedarf zu realisieren. Diese Erkenntnis führt jedoch zu einer regionalen Einzelfallbetrachtung, bei der die gesetzlichen Rahmenbedingungen zwar eine wichtige Rolle spielen, jedoch nur verfügbare Instrumente darstellen, die anhand der festgestellten Bedarfssituation aber regional unterschiedlich gespielt werden müssen.

Geld allein ist nicht attraktiv genug

Die Befragung von über 12.000 Medizinstudenten zeigte: Geld allein ist als Anreiz nur bedingt tauglich. Ein Großteil der Befragten möchte eher angestellt, denn selbständig tätig sein. Über 40% der Befragten gaben an, dass sie nicht in einer Einzelpraxis, sondern zumindest in einer Berufsausübungsgemeinschaft tätig sein wollen, da ihnen der kollegiale Austausch besonders wichtig sei. Als besonders wichtig wurde von den Befragten zudem die Vereinbarkeit von Familie und Beruf angegeben, nicht zuletzt auch die Notwendigkeit, dass der Lebenspartner auch vor Ort einen Beruf finden und ausüben kann. Viele der Befragten – mehrheitlich Frauen – streben eine Teilzeittätigkeit an.

Berufseinsteiger: Hessische Verbundweiterbildung im Dillenburger Pilotprojekt

Welche Konsequenzen ziehen nun niedergelassene Ärzte aus den vorgenannten Entwicklungen und Erkenntnissen? Zunächst gilt es für potentielle Berufseinsteiger für sich und ihre Lebensphase zu eruieren, welches Tätigkeitsmodell für sie am Geeignetsten ist. Die Übernahme und der Einstieg in eine Einzelpraxis in ländlichen Regionen wird dabei wohl überlegt und nicht zuletzt von den Einstiegsmodalitäten abhängig gemacht. Selbst wenn finanzielle Anreize winken und es wahrscheinlich ist, dass eine erhebliche Nachfrage an medizinischen Leistungen von Patienten vor Ort zu erwarten ist, wird heute daran gedacht, wer im Krankheits- oder Urlaubsfall die Praxis vertritt und ob es auf Dauer gesund erscheint, allein 3.000 bis 5.000 potentielle Patienten im Quartal allein zu versorgen.

Daher hat die Region Dillenburg in Hessen 2012 mit Unterstützung der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen das Pilotprojekt „Verbundweiterbildung“ gestartet, welches das regionale Krankenhaus und Arztnetz intensiv miteinander verbindet. Die Zusammenarbeit basiert darauf, Ärzten in der Weiterbildung zum Facharzt regional eine Vielzahl von Weiterbildungsmöglichkeiten im Krankenhaus und in den regional niedergelassenen Arztpraxen zu ermöglichen. Innerhalb der fünf Jahre Weiterbildung haben sich die jungen Ärztinnen und Ärzte soweit orientiert, dass sie in der Region einen Berufseinstieg als Praxisnachfolger, im Krankenhaus angestellt oder gar in beiden Bereichen tätig werden.

Erhalt der kommunalen medizinischen Versorgung ist ein Wirtschaftsfaktor 

Kommunen, die diese Interdependenz ihrer eigenen Attraktivität als Region und der daraus folgenden Wirtschaftskraft auf der Basis von Versorgungsangeboten verstanden haben, ermöglichen eine Reihe von Angeboten, die allein die Gesundheitsversorgung vor Ort gewährleistet. Am Rande des Rhein-Main-Gebietes liegen einige Regionen, in denen die überwiegende Anzahl der niedergelassenen Ärzte in Einzelpraxis tätig sind. In vielen Kommunen wird ein kommunales Krankenhaus betrieben. Einige Kommunen haben nunmehr selbst oder über Investoren ein an das Krankenhaus angrenzendes Ärztehaus/Gesundheitszentrum ausgeschrieben und bauen lassen. In diesem sind nunmehr überwiegend fachärztliche Praxen vertreten, aber auch Sanitätshaus, Pflegedienst, Apotheke, Zahnarzt sowie Physiotherapie. Für alle im Zentrum Angesiedelten bedeutet dies einen Wertzuwachs für ihre Praxen sowie die Sicherung der Attraktivität für weitere Kooperationspartner und Nachfolger. Die enge Verzahnung mit dem Krankenhaus ermöglicht ein verbessertes Angebot für Patienten und ist langfristig für stationäre und ambulante Leistungsangebote eine gute Ausgangsbasis auch in Zeiten des Ärztemangels. Die Kommune darf darauf zählen, dass dies zur gesamten Attraktivität des Standortes beiträgt und Unternehmen, wie auch Arbeitnehmer und deren Familien anzieht.

Insoweit sind Kommunen ein idealer Partner, um räumliche und fachliche medizinische bzw. ärztliche Kooperationen umzusetzen. Die Ausgangssituation wird regional unterschiedlich sein, doch der Bedarf nach intakter Gesundheitsversorgung ist überall vorhanden. In Hessen ist diese Strategie der räumlichen und intersektoralen Verzahnung bereits vielfach umgesetzt worden. Hessen hat darüber hinaus bei der onkologischen Versorgung diese Verzahnung durch das Hessische Onkologiekonzept noch weiter vorangetrieben, indem die Versorgung schwerstkranker Patienten  schwerpunktmäßig organisiert wird. Das ist im Hinblick auf die Verzahnung interdisziplinärer Leistungen auch für andere Bundesländer richtungsweisend.

 Prof. Dr. jur. Thomas Schlegel

Unser Autor ist Rechtsanwalt und Partner der Sozietät “Prof. Schlegel Hohmann & Partner“. Zudem ist er Professor für Arzt- und Medizinrecht im Fachbereich Gesundheitsökonomie an der Hochschule Fresenius in Idstein.

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Tourismus: 200 Jahre Leipziger Völkerschlacht

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Historien-Tourismus im großen Stil bewältigen kann den Ruf einer Destinantion langfristig auf ein hohes Niveau katapultieren. Aber auch kleine Kommunen haben Chancen, mit dem richtigen Konzept und einem passenden Angebot international Bedeutung zu gewinnen. Das 260-Seelen-Dorf Wacken steht dafür beispielhaft.

Foto: Anne Schulz/Westend-PR

Kommunale Gebietskörperschaften, die das historische Pech großer Schlachten zu erdulden hatten, können aus Tod und Verderben von einst heute Kapital schlagen. Das Unglück, Kriegsschauplatz zu werden, hatte im Jahr 1813 die Stadt Leipzig und ihr nahes Umland.

Vor 200 Jahren kämpften schossen und fielen für 4 Tage rund eine halbe Million Soldaten in der Leipziger Völkerschlacht. Napoleon mit seinen französischen, rheinischen und sächsischen Truppen auf der einen Seite und Russland, Preußen, Österreich sowie Schweden auf der anderen Seite.  Das Faszinosum “Leipziger Völkerschlacht” hat nicht nur Unmengen literarischer und wissenschaftlicher Publikationen, ein gewaltiges Denkmal aus Sandstein sowie eine nationale Erinnerungskultur nach sich gezogen, sondern als Ursuppe der deutschen Freiheits- und Einigungsbewegung auch die Chance, hieraus in der Gegenwart sinnstiftend Profit zu ziehen.

Die 200. Wiederkehr der Völkerschlacht im Oktober 2013 wird zu einem gut geplanten Großereignis. Immerhin, die Beratungen begannen bereits im Jahr 2008, erste Organisationsstrukturen waren 2009 ins Leben gerufen worden. Leipzig versteht es in der Tat die diversen Museen, Kulturschaffende und die reichlichen und weltweit verbreiteten Traditionsvereine mit Bezügen zur Völkerschlacht einzubeziehen und 200 Jahre nach dem Tod bringenden Ringen ein Fest der Völker und der Freiheit zu feiern. Freiheit in Leipzig erinnert nicht nur an die Völkerschlacht, sondern auch an die Montagsdemonstrationen 1989. Leipziger Freiheit, so heißt folgerichtig  dann auch die Imagekampagne der Stadt.

Die “Soldaten” und “Marketenderinnen” der Traditionsvereine, wie Freundeskreise  Lützower Jäger oder die 5. Preußische Brigade sowie ähnliche Vereine in Frankreich, Russland, Polen, Österreich bis runter nach Australien werden in diesem Jahr – gut koordiniert vom Verband Jahrfeier Völkerschlacht bei Leipzig 1813 eV und von der  von Dr. Volker Rodekamp geleiteten Steuerungsgruppe Leipzig 1813-1913-2013 – den Weg nach Leipzig finden detailgetreue Uniformen, nachgebaute Musketen, selbst geschmiedete Säbel und Kanonen im Gepäck. Sie kommen um hier die Schlacht nachzuempfinden und Gemeinschaft und Völkerverständigung zu pflegen.  Der Andrang der Völkerschlacht-Enthusiasten für Oktober ist in der Tat gewaltig. Bis zu 7.000 Laiendarsteller werden in und um Leipzig biwakieren und ein weiteres Heer von Touristen anlocken, so zumindest die Hoffnung der Leipziger Stadtoberen.  Pensionen, Hotels und Gasthäuser und natürlich auch den Handel dürfte den Andrang freuen. Der durchschnittliche Tagesgast gibt in Leipzig nach Angaben des Instituts dwif 38,60 Euro aus, zuzüglich etwaige Übernachtungskosten. Die durchschnittliche Auslastung der Leipziger Beherbungsbetriebe lag 2000 noch bei 37,2 %, 2010 bei 44, 7 % und im Vorjahr bei 49 %. In diesem Jahr rechnet die LTM GmbH mit einer Auslastung von 66 %, während beispielsweise Dresden mit einer Auslastung von 57 % auskommen muss. Genaue Zahlen zu dem Gästeansturm im Oktober 2013 kann allerdings auch der Geschäftsführer der DEHOGA Sachsen, Holm Retsch, noch nicht liefern.

Man habe laufend Jubiläen, wie das Richard-Wagner-Jahr, das gleichfalls 2013 durchgeführt wurde. Seit 2009 gebe es bereits keine “jubiläumsfreie Zeit”, so Retsch. Die Zahlen bestätigen den insgesamt positiven Trend. Im Jahr 2000 verzeichnete die Stadt an Pleiße und Elster noch 1,468 Mio. Übernachtungen, 2010 waren es 2,023 Mio und 2012 2,482 Mio. Übernachtungen. Bis 2015 soll die Zahl für Leipzig und Region auf 5 Mio. Übernachtungen anwachsen. Ein Ziel, das keineswegs ehrgeizig erscheint. Die Stadt Leipzig ist hoch attraktiv. Das Stadtbild hat sich in den vergangenen 2 Dekaden ständig verbessert. Architektonisch reizen nicht nur der Hauptbahnhof, das Reichsgericht und das Innenstadtensemble mit der nicht erst seit Baupleitier Jürgen Schneider weltbekannten Mädlerpassage. Ganze Stadtviertel haben ihren gründerzeitlichen oder Jugendstil-Charme.

Und auch der Ausbau der Verkehrswege im Umland hat sich glänzend entwickelt, zuletzt mit dem Bau der A38 im Süden der Stadt. Auch wenn die Leipziger jede Baustelle wie am Neuen Rathaus oder den City-Tunnel gerne umnörgeln, für Touristen ist die Stadt mit ihrem Erscheinungsbild und den alltäglichen Kulturangeboten und dem Einzelhandel in einem hohen Maße attraktiv. Kulturell zehrt die Stadt von Goethe (Auerbachs Keller), von Wagner, Bach und Mendelssohn-Bartholdy, von Schiller, Thomaner-Chor und von dem Gewandhaus der 600-jährigen Universität und sogar von dem bundesweit bekannten Zoo und natürlich neben weiteren messen von der Leipziger Buchmesse.  Das Grundgerüst stimmt also in Leipzig.

Wer Jubiläen plant, der muss aber auch auf ehrenamtliche Unterstützung im großen Stil bauen können. Dr. Rodenkamp verweist gegenüber ebn24 auf mehr als 100 Initiativen aus Leipzig-Stadt und Umland, die das Großereignis “Völkerschlacht” begleiten und das Programm durch Ausstellungen, Konzerte und Events erweitern.

Leipzig hat die richtigen Schritte gemacht und hat mit der Gründung der LTM GmbH sein Marketing weltweit aufgestellt. Ein Akt just zu dem Zeitpunkt, da Leipzig-Stadt und Land mit den Übernachtungen 2012 eine Zuwachsrate von 13,4 Prozent aufweist und im Ranking der deutschen Großstädte auf dem ersten Platz rangiert.  Eine frühere Marketingkampagne der Stadt lautete “Leipzig kommt!”. Das zieht heute nicht mehr, denn die Stadt hat – in Kooperation mit ihrem Umland – den Gipfel bestiegen.

Doch ist das Leipziger Modell auf andere Städte und Gemeinden übertragbar? Ist es jeder Kommune möglich, sich so zu entwickeln und zum touristischen Magneten zu mutieren?

Es müssen schon viele Faktoren zusammenkommen, die der Destination eine Aura der Einmaligkeit verleihen. Die fünf Grundsäulen sind Geografie, Geschichte, Ästhetik, Handel und Freizeitangebote. Eine einzelne Säule kann schon  genügen, um einen Ort zu einer touristischen Destination gedeihen zu lassen.

Bild: Leipzig Tourismus und Marketing GmbH

Doch auch kleinere Gemeinden ohne historischen oder geografischen Charme haben die Möglichkeit, mit dem richtigen Konzept Touristen anzuziehen und Umsatz zu generieren. Es sei daran erinnert: das Münchner Oktoberfest war einst nichts weiter als ein 1810 durchgeführtes Pferderennen und im 260 Seelen-Ort Wacken im schleswig-holsteinischen Kreis Steinburg kamen zwei Musiker auf die Idee zu einem Metal-Musikfest, das heute als Wacken Open Air  weltweit bekannt ist und jährlich 85.000 Teilnehmer anzieht.

Wo Geschichte und geografische Reize fehlen, können kulturelle und sportliche Ereignisse durchaus Geschichte schreiben, wenn Professionalität in der Organisation und Authentizität durch Akzeptanz in der Bevölkerung mitspielen.

Bernhard Knapstein /EWV

 

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Unternehmer diskutieren auf Wirtschaftstag Europas Zukunft

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Der unionsnahe Wirtschaftsrat feiert im Jahr 2013 sein 50-jähriges Bestehen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel. Vor der Bundestagswahl herrschte diesmal Harmonie zur Union. Merkel selbst kommt hier im Wahlkampf gänzlich ohne Opposition aus. Der Wirtschaftstag 2013 des Wirtschaftsrates ist eines der herausragendsten Wirtschaftsforen der Republik.

Ende Juni 2013 beging der CDU-nahe Wirtschaftsrat im Rahmen des diesjährigen Wirtschaftstages im Berliner InterContinental sein 50-jähriges Bestehen. Der Unternehmerverband, der sich als Stimme und Anwalt der Sozialen Marktwirtschaft versteht, beruft sich auf Ludwig Erhard. Das Tagungsmotto “Ein starkes Deutschland für ein starkes Europa” offenbarte ein selbstbewusstes deutsches Unternehmertum mit dem Willen zur Verantwortung.

Kurt Lauk setzt auf Harmonie zu Bundeskanzlerin Angela Merkel

Während es sonst zwischen dem Wirtschaftsrat und der Union vor dem Hintergrund etwa von Energiepolitik oder Fachkräftemangel auch schon einmal kräftig knirscht, gab sich der Vorsitzende des Verbands, Kurt Lauk, gegenüber Bundeskanzlerin Angela Merkel in diesem Jahr eher harmoniesuchend. Es ist Wahljahr und die bevorstehende Richtungswahl führte klar zum Schulterschluss. Lauk konnte Unterstützung der Koalition auch mit eindeutigen Ergebnissen einer Mitgliederbefragung in dem Unternehmerverband untermauern.

Die exzessiven Wählerpräsente der Union hatte der Wirtschaftsrat schon im Vorfeld in einer Presseerklärung heftig kritisiert und Verbandspräsident Lauk mochte nicht erneut darauf eingehen. Doch Merkel wäre nicht Merkel, wenn sie nicht zumindest indirekt auf diese Vorbehalte eingegangen wäre und ihre eigene Position auf dem Grat zwischen den verschiedenen Interessengruppen im Wahljahr klar machen würde. So sehr sie die Anregungen des Wirtschaftsrates auch begrüße, sie sei nun einmal Vorsitzende einer “Partei, die von Lauk bis Laumann” reiche. Seit Bestehen der Union herrschen die innerparteilichen Auseinandersetzungen zwischen Sozialflügel und Wirtschaftsflügel in der Union – neu ist das also nicht.

Angela Merkel würdigt den politischen Gegner mit keinem Wort

Die Bundeskanzlerin nutzte indessen die Gelegenheit und zog auf dem Wirtschaftstag den Bogen von dem Erreichten bis zu den anstehenden Herausforderungen für Deutschland und für Europa. Man habe bewiesen, dass Haushaltskonsolidierung bei gleichzeitiger Wachstumsförderung möglich sei. Rot-Grün oder Steinbrück spielten in ihren Ausführungen keine Rolle. Der politische Gegner war vor dem Forum tausender Unternehmer schlichtweg nicht existent. Energiewende, Schuldenreduktion und Wachstumsförderung – das sind die wahren Herausforderungen, das sind die einzigen Themen.

Die Botschaft ist klar: Es gibt keine Alternative zu Angela Merkel und zu Schwarz-Gelb. Dennoch hat sie kein Problem damit, dass nicht jeder Wähler ihren Euro-Rettungskurs gutheißt. “Wer immer nur geliebt wird, ist ein Trottel!” griff die Kanzlerin gerne ein Zitat von Thomas Mann auf, das zuvor schon der niederländische Ministerpräsident Mark Rutte im Zusammenhang mit Deutschlands Imageproblemen in den europäischen Südländern eingeworfen hatte.

Mark Rutte mit Ludwig-Erhard-Gedenkmünze in Gold ausgezeichnet

Rutte, den der Wirtschaftsrat in diesem Jahr mit seiner Ludwig Erhard-Gedenkmünze in Gold auszeichnete, würdigte Deutschlands Politik der Haushaltskonsolidierung und Wachstumsförderung. Die Niederlande stünden an der Seite Deutschlands, so Rutte. Die große Einigkeit hat eine solide Basis, ist doch die Wirtschaft der Niederlande so eng mit der deutschen verflochten, wie es weltweit sonst nur noch zwischen den USA und Kanada der Fall ist.

Dritte Regierungsvertreterin auf dem Podium war Spaniens Vizeregierungschefin Soraya Saenz de Santamaria, die leidenschaftlich die erfolgreiche Konsolidierung des spanischen Haushalts, die Erleichterungen für die Wirtschaft und den gewaltigen Bürokratieabbau mit Einsparungen von mehr als 37 Mrd. Euro anpries. Nun gelte es im nächsten Schritt Wachstum zu fördern und Arbeitsplätze zu schaffen, so die spanische Politikerin.

Während Spanien seinen Weg aus der Krise zu schaffen scheint, ist dies andernorts noch nicht der Fall. Es war Friedrich Merz, der die nächste Herausforderung für die Währungsgemeinschaft beim Namen nannte. Frankreich sei derzeit das größte Risiko für die europäische Volkswirtschaft. “Ich bezweifle, dass Frankreich eine Kurskorrektur ohne Abwertung schafft”, so Merz, der nicht nur dem Vorstand des Wirtschaftsrates angehört, sondern auch Präsident der Atlantikbrücke ist. Es müsse gelingen, gemeinsam mit dem westlichen Nachbarn Einigkeit über die wirtschaftspolitischen Strategien zu erreichen, sonst sehe es schlecht aus.

Dass Sparen nicht alles ist, das belegte Friedrich Merz mit einem Blick über den großen Teich. Die US-Banken hätten sich binnen kürzester Zeit rekapitalisiert und die Wirtschaft in Schwung gebracht. Ein Umstand, der auch der Staatlichkeit der USA geschuldet ist, während die EU als Staatengemeinschaft weiterhin mit nationalen Partikularinteressen zu kämpfen hat, womit das Fass mit der Aufschrift “Vereinigte Staaten von Europa” vor die Kongresstür gerollt worden war. Ein Fass, das auf dem Wirtschaftstag freilich kaum einer aufmachen wollte.

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Tradition trifft Innovation – Rheinland-Pfalz packt die Zukunft an

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Eveline Lemke zeichnet sich durch ungebrochene Lebensfreude und einem fast leichtfüßigen Willen  zur Umsetzung politischer Ideale aus. ebn24TV hat mit der rheinland-pfälzischen Wirtschaftsministerin über ihre Motivation und über Land und Leute gesprochen. Das TV-Gespräch führte Jürgen Schmeisser.

Frau Lemke, Sie stammen aus einer alten Fussballerfamilie. Treiben Sie selbst Sport?

Ja, ich komme aus einer fußballbegeisterten Familie. Das heißt aber erst einmal, ich bin selber sportbegeistert und das ist auch gut. Wenn wir nämlich gesund bleiben wollen und leistungsfähig, dann müssen wir immer den Körper auf Trapp halten, insofern treibe ich auch selber ein bisschen Sport.

Wo verbringen Sie gerne Ihre Freizeit?

Wenn ich in meiner Freizeit entspannen will, dann bin ich natürlich gerne zu Hause. Und ich lebe an der Ahr, das ist ja auch eine Region, in der andere Menschen sonst Urlaub machen. Ich kann also am Ahrsteig wandern oder den Rotwein-Wanderweg wandern, ich kann Fahrrad fahren. Das kann man natürlich an jeder rheinland-pfälzischen Region, an der „Mosel, im Hunsrück, oder in der Pfalz. Aber zu Hause ist es mir dann doch am liebsten.

Haben Sie ein Vorbild oder gibt es jemanden den Sie bewundern?

Ich bewundere alle Menschen, die sich für andere Menschen einsetzen, ob es Unternehmerinnen und Unternehmer sind, die für Arbeitsplätze kämpfen und für ihre Belegschaft, ob es Belegschaftsvertreter gibt, die sich gewerkschaftlich für ihre Kolleginnen und Kollegen einsetzen, Menschen im Ehrenamt, die sich um andere kümmern in Vereinen oder Verbänden. Sie alle sollten in dieser Gesellschaft herzlich willkommen sein. Und ich bewundere jeden, der für andere kämpft.

Kommen Ihnen Praxiserfahrung und Studium für Ihre politische Arbeit zugute?

Bei der praktischen Arbeit brauche ich alle meine Lebenserfahrung und ich bin froh, dass ich so intensiv in und mit Betrieben gewirkt und gearbeitet habe, dass ich weiß,  was sie wollen und Ihre Bedürfnisse kenne. Und das braucht man als Wirtschaftsministerin.

Wie würden Sie Land und Leute in Rheinland-Pfalz beschreiben?

Die Rheinland-Pfälzer sind definitiv ein lebenslustiges, freundliches Volk. Sie sind gastfreundlich, haben ja auch viel zu bieten mit 550 Schlössern und Burgen. Eine reiche Kulturlandschaft zwischen Mosel und Rhein, mit Gebirgslandschaften vom Hunsrück bis über die Pfalz und natürlich den Westerwald. Also, es gibt jede Menge hier, und das kennzeichnet eben auch die Menschen, die hier leben in der Mitte Europas.

Gibt es heute noch Unterschiede in den Volksgruppen von Rheinland-Pfalz?

Ich bin froh, dass wir die kleinen Unterschiede der Pfälzer und der Westerwälder, der Menschen an der Ahr und in Mainz tatsächlich spüren. Weil regionale Identität zu uns gehört. Und dennoch machen wir etwas sehr europäisches: Wir sind in neuen Verwaltungsstrukturen zusammengewachsen, die uns Frieden und Demokratie bescheren. Und das ist doch etwas Gutes, darin leben wir gerne.

© Rasselstein Thyssen Krupp

Rheinland-Pfalz hat Grenzen zu drei europäischen Nachbarn. Welche Vorteile bietet das?

Es hat riesengroße Vorteile, dass wir drei europäische Nachbarn haben. Denn im Herzen Europas ist das ein geografischer und ein strategischer Vorteil, den wir sozusagen in die Wiege gelegt bekommen haben. Wir haben eine der größten Exportquoten im Bundesländer-Vergleich. Das ist eine Stärke. Und wir exportieren vorwiegend natürlich auch ins europäische Umfeld hinein, deswegen ist diese geografische Lage gerade richtig dafür.

Wie sichert Rheinland-Pfalz seine Innovationskraft im Bereich Forschung und Wissenschaft?

Rheinland-Pfalz sichert seine Innovationskraft, indem wir zunächst einmal allen jungen Menschen die Möglichkeit geben, jeden beruflichen Weg einzuschlagen. Hier gibt es keine Studiengebühren, wir haben im dualen System die Möglichkeit, dass  junge Menschen ihren Weg durch dieses System bis zum jeweils höchsten Bildungsabschluss hindurch finden. Das ist eine Grundvoraussetzung. Wie dann diese guten Ideen aus den Hochschulen – bei dementsprechender Förderung natürlich – wieder ihren Weg in die Unternehmen finden, das ist auch eine Aufgabe meines Hauses, hier im Wirtschaftsministerium. Wir tragen dafür Sorge, dass es Programme gibt, Gründerprogramme, Starterprogramme, Innovationsprogramme, Plattformen, auf  denen das Wissen, was in Hochschulen erarbeitet wurde, wieder seinen Weg in die Wirtschaft finden kann. Und Unternehmen, die da gerne partizipieren möchten, können uns ansprechen.

Welche Vorteile hat Rheinland-Pfalz zu bieten?

Rheinland-Pfalz hat ganz hervorragende weiche Standortfaktoren. Wer Beruf und Familie unter einen Hut bringen will, kann das in Rheinland-Pfalz in ausgezeichneter Weise. Das heißt, Menschen suchen eine Arbeit, da wo das Umfeld stimmt, nicht nur kulturell nett und freundlich ist und wir auch Natur und Kultur genießen können. Sondern, wo zum Beispiel auch die Kinderbetreuung stimmt und das sind mittlerweile harte Fakten für Frauen und Männer, die Familie und Beruf in Einklang bringen wollen. Wir wissen, das dies gute Faktoren sind, um Fachkräfte in diesem Land anzuwerben.

 

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Universität Leipzig: Herr Professorin, Sie lehren Gendersprache?

Die Universität Leipzig hat eine neue Stilblüte der Genderpolitik beschlossen: Fachkräfte des Hauses sind ab sofort nur noch in der weiblichen Form der Funktion anzusprechen. Der Lehrende ist ab sofort “Herr Professorin” . Eine Entscheidung, die nicht unkommentiert stehen bleiben darf.

Der Feminismus hat seit den kulturellen Umbrüchen der 68er nach schönen Erfolgen in den 70er und 80er Jahren zuletzt zunehmend fragwürdige Spitzen getrieben. So musste sich erst jüngst Bundesverkehrsminister Ramsauer einer Richtlinie der Bundesregierung beugen und aus der Straßenverkehrsordnung den Fußgänger und Radfahrer verbannen. Zu männlich schienen die Begriffe. Nun heißt es “zu Fuß Gehende” und “Rad Fahrende”. Was für einige wenige Hardcore-Feministen geschlechtsneutral oder genderpolitisch korrekt ist, ist für durchschnittliche Gleichberechtigungsfreunde nur noch kostspielige Sprachverunstaltung. “Haben die nichts anderes zu tun?”, so eine der häufigsten Fragen in den social networks wie facebook & Co. Brücken bröckeln, Straßen löchern, Bahnhöfe verloddern, Kanäle werden unpassierbar, manche Airports werden gar nicht erst eröffnet und norddeutsche Häfen kämpfen mit defekten Spundwänden oder zu wenig Tiefgang für die Hochseeschifffahrt. In der Tat darf man fragen: Gibt es keine wichtigeren Fragen als eigentlich unverdächtige Sprachregelungen in historischen und dennoch allgemein verständlichen Gesetzestexten der Genderisierung zu unterziehen?

Universität Leipzig ist jetzt ausschließlich weiblich

Doch Peter Ramsauer darf die Krone für sprachliche Stilblüten weiterreichen an die altehrwürdige Leipziger Universität, die Alma Mater Lipsiensis. Der Vorschlag auf Änderungen der Sprachregelung kam nicht von einer Frau, sondern von Physikprofessor Josef Käs, der sich nun – mit allen Kollegen – als “Herr Professorin” ansprechen lassen darf und muss.

Prof. Dr. Friederike Maier, die Gutachterin  der Genderlobbyisten des Zirkels “Gender Equality and Employment” in der Europäischen Komission, nennt den Leipziger Beschluss einen Akt der “Notwehr”. Birgit Kelle, Vorstandsmitglied des EU-Dachverbandes “New Women For Europe” ätzt in “The European” kräftig gegen: “Ja, wurde wirklich Zeit, dass Frau sich wehrt und sich jetzt stattdessen Männer schlecht fühlen, weil sie sprachlich nicht existieren.” Frau Siegmund Freud hätte sicherlich seine Freude daran.

Gleichstellung der Frau: Quote oder nicht?

Die freie Wirtschaft mag sich mit der fakultativen Besetzung von Vorstandspositionen durch Frauen im Sinne einer Geschlechtergleichstellung noch arrangieren. Natürlich sind wir gehalten zu fragen: Benachteiligen wir weibliche Kollegen bei der Besetzung von Führungspositionen? Und wenn sie dann nach guten Leistungen schwanger am Vorstandstisch sitzen, stellt sich durchaus die Folgefrage: Kann, will und wird sie die Kraft haben, nach der Geburt ihres Kindes sich wieder voll für das Wohl und Wehe von 500,  1.000 oder 10.000 Mitarbeitern einzusetzen? Die Frage ist so legitim, wie jene nach der Gesundheitsprognose von langfristig erkrankten Mitarbeitern. Warum auch nicht?

Harte Managerinnen können oft aus dem Vollen schöpfen. Fachkenntnisse, Erfahrung und Durchsetzungsvermögen paaren sich mit Sexappeal.

Sexappeal? Ist die Annahme, dass die Geschlechtlichkeit von weiblichen Führungskräften zumindest unbewusst eingesetzt wird, sexistisch? Feministen würden dies wahrscheinlich bejahen. Der zeichnende Blogger hält dies zumindest für legitim.  Wir Männer setzen auch unsere Wesensartund unsere männlichen Statussymbole ein. Der gut sitzende Anzug, das Auto der Premiumklasse, das männliche Selbstbewusstsein garniert nicht minder mit den vorhandenen Fachkenntnissen und erworbenen Erfahrungswerten als Beleg für nachhaltigen Erfolg. Das mag fragwürdig sein, doch legitim ist es allemal. Und natürlich ist auch Sexappeal ein legitimes Mittel, um ins Geschäft zu kommen, wenn es denn hilft, nicht rechtlich sittenwidrig ist und den Partnern zu einem guten Abschluss verhilft.

Doch was die einen können, gelingt anderen noch lange nicht. Genau das ist der Grund, weshalb Frauenquoten möglicherweise vorübergehend, aber keinesfalls auf Dauer ein Mehr an Gerechtigkeit auch in den Führungsstäben der Wirtschaft erzeugen können. Die Quote selbst destabilisiert die Frau zur Quotenfrau und minimiert ihren tatsächlichen Wert auf die reine Quote, selbst dann, wenn der reale Wert der neuen Führungskraft ihre Bestellung voll rechtfertigt.. Die Quote selbst trägt somit sexistische Züge in sich.

Gendersprache zieht politische Forderungen ins Lächerliche

Anja Gockel im Gespräch mit dem Autor über Mainz, Mode und Managerinnen. (c) ebn24TV

Die Modedesignerin Anja Gockel hat gegenüber ebn24TV im Interview die Quote eingefordert. Sie sei erforderlich, da sich in den vergangenen fünf Jahren fast nichts bewegt habe. Man müsse die Quote nur unter ein anderes Licht stellen, da die Frau – gemeint war die weibliche Wesensart – zur Lösung der komplexen Probleme unserer Welt beitragen könne. Die Grundthese stimmt zumindest, viel getan hat sich in den meisten Vorständen kaum. Aber stimmt auch die Schlussfolgerung, die Quote könne hier Abhilfe schaffen? Eine Frage, über die wir noch ein paar Jahre trefflich streiten werden.

Doch solch wichtige Debatten verblassen neben sinnlosen Sprachregelungen, die jedes Maß an Vernunft vermissen lassen und partiell berechtigte Forderungen torpedieren. Das Leipziger Modell – jede Fachkraft wird in der weiblichen Form benannt  – unterminiert den Ernst der Debatte. Welch männlicher Jungprofessor möchte nach seinem Ausscheiden im Zeugnis der Universität Leipzig schon bescheinigt bekommen, der “Herr Professorin” habe als “Forscherin” gute Ergebnisse erzielt?

Die vollständige Benachteiligung einer Seite zum Zwecke der Gleichberechtigung hat noch nie zum Ziel geführt. Die Sprache selbst wird von uns schon genug gepeinigt. Sprachliche Ungenauigkeiten verwirren nachwachsende Generationen und mindern letztlich massiv die Stabilität unserer Kultur und führen die kruden Auswüchse des Feminismus ad absurdum.

Natürlich mag auch der Blogger sich irren und sich vielleicht Bloggerin nennen müssen. Antoine de Saint-Exupéry urteilte aber letztlich wohl zu Recht:  Sprache ist die Quelle aller Missverständnisse. Das gilt potenziert zwischen den Geschlechtern.

Bernhard Knapstein

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Christian Kirk mit Bill Clinton über Afrika-Entwicklung im Gespräch

Bundesminister Dirk Niebel, Bill Clinton und Christian Kirk im Gespräch über die Entwicklungsarbeit in Afrika.

Der Bundesminister für internationale Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) Dirk Niebel und der ehemalige US-Präsident Bill Clinton, der für die Clinton Foundation nach Deutschland gereist war, haben in Berlin eine Kooperationsvereinbarung über die künftige Zusammenarbeit bei der Hilfe für Afrika in den Bereichen Gesundheit und Landwirtschaft geschlossen.  Die Partner wollen dabei auf das gedeihliche Zusammenwirken von Staat, Stiftungen, Wirtschaft und natürlich auch der Zivilgesellschaften setzen.

Ex-US-Präsident Bill Clinton mit Verleger Christian Kirk im Hotel Adlon. (c) ebn24TV

Am Rande der Veranstaltung sprach der Darmstädter Verleger Christian Kirk  im Berliner Adlon mit dem 42. US-Präsidenten Clinton über Projekte in Afrika, unter anderem über Tunesien. Zu dem nordafrikanischen Land hatte Kirk im Auftrage der Bundesregierung und in Zusammenarbeit mit BMZ-Staatssekretär Hans Jürgen Beerfeltz, der GIZ und beispielsweise der AHK Tunesien das Buch “Wirtschaftsstandort Tunesien” in deutscher, englischer und französischer Sprache herausgegeben. Ein Buch, an dem auch zahlreiche deutsche und tunesische Multiplikatoren und Experten, die in dem Maghreb-Land tätig sind, mitgewirkt haben. Darunter GIZ-Sprecherin Tanja Gönner, die AHK-Geschäftsführerin Dagmar Ossenbrink oder Dr. Karim Bendhaou von Merck Serono Tunesien und Slim Kchouk, Chef von Siemens Tunesien.

Der Verleger sieht die Kooperation zwischen der Clinton Foundation und dem BMZ als wegweisend. “Bill Clinton hat es verstanden, seinen Einfluss und seine Kontakte auch über seine Präsidentschaft hinaus zum Wohle der Menschheit und hier vor allem in Afrika einzusetzen. Die Zusammenarbeit zwischen der Bundesregierung und der Clinton Foundation ist das richtige Zeichen für die übrige Welt” so Kirk.

Eines der nächsten Projekte von Christian Kirk im Auftrage des BMZ könnte die Vorstellung des Investitions-Standorts Malawi sein, wo auch Clintons Stiftung Entwicklungsarbeit leistet. “Afrika ist eine tolle Aufgabe. Viele afrikanischen Staaten sind hinsichtlich ihrer Chancen und Perspektiven noch immer unterschätzt. Es gilt, Erfolg versprechende Investitionsfelder herauszuarbeiten und in der deutschen und europäischen Wirtschaft zu kommunizieren“, so der Darmstädter Marketingfachmann.

Christian Kirks Europäischer Wirtschafts Verlag will dabei Anregungen des früheren US-Präsidenten aufgreifen und in seinen Publikationen umsetzen. Insbesondere will der Darmstädter Medienmacher die erfolgreiche Arbeit der Clinton Foundation und des BMZ gegenüber seinen Partnern in der deutschen Wirtschaft verbreiten.

Bernhard Knapstein

 

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Mieses Klima: Der Hamburger Hafen, die Elbvertiefung und die reine Lehre

Die Elbvertiefung als substanzerhaltende Maßnahme für den Hamburger Hafen bleibt ein politisches Reizthema zwischen grünem Fundamentalismus und wirtschaftlicher Vernunft. Dass die Klimaforschung hier überzieht, das meinen sogar Klimaforscher.

Containerumschlag im Hamburger Hafen. (c) ebn24TV/Knapstein

Die Zeiten, da Kiwis und Physalis exotische Früchte waren, sind vorbei. T-Shirts und Hosen werden in Bangladesch genäht, Schuhe in China geklebt und Einzelteile unserer deutschen Automarken in aller Welt gepresst. Der weltweite Güterverkehr nimmt dem entsprechend zu, denn das ist die sichtbare Folge der Globalisierung unserer Weltwirtschaft, die eben auch dem einfachen Arbeiter den Erwerb einer Kiwi ermöglicht.

Kräne im Stillstand. (c) ebn24TV/Knapstein

Stößt der Logistikstandort Hamburg an Grenzen?

Der europäische Handel für südamerikanische und vor allem chinesische Waren wird zu einem großen Teil über den Hamburger Hafen abgewickelt. Das gilt insbesondere für Produkte, die den Weg nach Nord-Osteuropa und Russland suchen. Da die für den Warenverkehr benötigten Schiffe immer gewaltiger und ihr Tiefgang entsprechend größer wird, stoßen die Kapazitäten des Hamburger Hafens bereits an Grenzen. Die größten Containerriesen müssten zuerst in Rotterdam erleichtert werden, um bis in die Hansestadt vordringen zu können. Ein kostspieliges und zeitraubendes Verfahren, das Hamburg schnell zurückwerfen und die niederländischen Häfen endgültig in eine vorzügliche Position bringen wird.

Die Elbvertiefung in der Klimaforschung

An der Elbvertiefung kommt Deutschland nicht vorbei. Zumindest nicht, wenn es nach der deutschen Wirtschaft geht, wie etwa Jens Broder Knudsen von Sartori & Berger fordert. Doch wenn der Ausbau des Standortes ansteht, stehen allenthalben die mit staatlichen Milliardensummen alimentierten Klimaforscher auf dem Plan. Im Fall des Hamburger Hafens ist es ein niederländisches Gutachten, das von einem drohenden “Umkippen” der Elbe spricht und damit den Gegnern der Elbvertiefung, darunter die Partei der Grünen, neue Munition liefert. Wenn allerdings ein niederländisches Klimaforschungs-Gutachten sich gegen eine Elbvertiefung ausspricht, dann steht automatisch auch das “Cui bono?” und die Frage nach der politischen Unabhängigkeit der Forschung im Raum.

Zur Vermeidung von Unterstellungen genügt es indessen auch, wenn man deutsche Vertreter der Erderwärmungsthese zu Wort kommen lässt.  Klimatologe Hans von Storch hat gegenüber der WELT vom 29. April 2013 seine Belustigung über dramatische Überzeichnungen seiner Kollegen in Sachen Elbvertiefung zum Ausdruck gebracht. Selbst wenn die Salzwassergrenze etwas weiter ins Landesinnere rücken wird, habe dies längst keine so gravierende Auswirkungen wie frühere Elbvertiefungen. Entwarnung also von einem Klimaforscher, der ein bekennender Vertreter der These von der Erderwärmung ist.

Seine Kritik richtet sich insbesondere aber gegen die Politisierung der Wissenschaft. Von Storch fordert mehr Distanz zwischen der Fakten liefernden Wissenschaft und der daraus Handlungsleitlinien ableitenden Politik. Von Storch, der für das Helmholtz-Zentrum in Geesthacht tätig ist, hat seine Kritik auch in seinem im Carl Hanser Verlag erschienenen Buch “Die Klimafalle” zum Ausdruck gebracht und vor Priestertum in der Wissenschaft gewarnt. Zu Recht, erfordert die Freiheit der Wissenschaft neben dem Verbot der politischen Einflussnahme auf die Forschung nicht auch die Loslösung der Forschung von politischer Voreingenommenheit? Insbesondere einigen Klimaforschern, mit dem Hang zur Unheilsverkündung, stünde etwas mehr Elfenbeinturm der Forschung, etwas mehr von der reinen Lehre  gut zu Gesicht. Die Autonomie der Wissenschaft steht grundsätzlich in einem Gegensatz zur Wissenschaftsberatung, wie etwa der Konstanzer Philosoph Jürgen Mittelstraß kritisiert, der sogar die Akademie Leopoldina ablehnt, die genau diesen Auftrag hat.

Eine scharfe Trennung zwischen Forschung und Politik kann es nicht geben, da einerseits Forschungsergebnisse auch der allgemeinverständlichen Erläuterung bedürfen und andererseits die Politik auch künftige Szenarien berechnet haben möchte. Die Frage “Was passiert, wenn…?” gehört zu einer vorausschauenden Politik wie das Amen in die Kirche. Kritisch wird es indessen dann, wenn Politik Gutachten bestellt, über Ergebnisse vorab informiert werden möchte und vielleicht sogar mit der Ablehnung von Gutachten droht, sollten diese nicht das gewünschte Ergebnis bringen. Auch sind Wissenschaftler nicht davor gefeit, Gutachten in die gewünschten Richtung zu liefern, um lukrative Folgeaufträge aus dem entsprechenden politischen Lager zu erhalten.

Letztlich ist es Sache des Souveräns, des Wählers, die Trennlinie zwischen dem Erhalt des natürlichen Umfeldes und dem Erhalt von Arbeitsplätzen zu ziehen, indem er sich zwischen grüner Idylle und dem Erhalt von Arbeitsplätzen bei der Vergabe seiner Stimme entscheidet. Im Internet wird dieses nicht immer, aber doch oft sinnstiftende Verhalten auch Schwarmintelligenz genannt.

Bernhard Knapstein

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Internetwirtschaft: Philipp Rösler gut gelaunt beim Wirtschaftsrat

european business network – ebn24.com

Internet und digitale Wirtschaft: Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler bestätigt die These des CDU-nahen Wirtschaftsrates Netzpolitik sei Wirtschaftspolitik.

Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler im Interview mit ebn24TV.

Philipp Rösler hätte kaum besser gelaunt sein können, als auf der Tagung vom Wirtschaftsrat Deutschland zur Zukunft der digitalen Wirtschaft und der deutschen Branchen-Start-Ups. Die Stimmung des Bundeswirtschaftsministers und Vizekanzlers sei auf den Beschluss der Bundesregierung, sich einem NPD-Verbotsantrag nicht anzuschließen, zurückzuführen, heißt es in eingeweihten Kreisen.  Vielleicht lag es aber auch schlicht an der Formulierung von ZDF-Moderator Wulf Schmiese, der den nach innerparteilichen Querelen jüngst als FDP-Parteichef bestätigten Rösler als “selbst ein politischer Start-up” anmoderierte.

Vor vollem Haus im bcc Berlin sprach Rösler über den Stellenwert der digitalen Wirtschaft und bestätigte, was das Auditorium hören wollte, Netzpolitik sei auch Wirtschaftspolitik. Die auf den verschiedenen Tagungs-Podien diskutierten CopyCats in der digitalen Wirtschaft mochte Rösler nicht in Bausch und Bogen verdammen, zu unterschiedlich seien die Voraussetzungen zwischen den USA und Deutschland. Lediglich Politiker müssten bei Copy-and-Pace vorsichtig sein.

Deutschland sei im weltweiten Vergleich in der Internetwirtschaft noch auf Platz 6 und man wolle bis Ende des Jahrzehnts auf die oberen drei Plätze vordringen. Die Soziale Marktwirtschaft ist für den Wirtschaftsminister dabei offensichtlich die ideale Wirtschaftspolitik. Die Politik müssen den Rahmen setzen, in dem sich neue Unternehmen gründen könnten, so der Minister. “Dazu braucht es erstens Geld und zweitens Fachkräfte.” Steuerbegünstigte Streubesitzbeteiligungen bis 10 Prozent seien einer der Wege, um das notwendige Kapital für die Realisierung guter Ideen zu akquirieren. In Sachen Fachkräfte müsse aber auch das Innenministerium mitwirken, da die Zuwanderung von gut ausgebildeten Fachkräften für den Standort unvermeidbar sei.

Der damit angesprochene Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich stellte seinerseits erneut die Frage der Datensicherheit in den Vordergrund seiner Ausführungen. Terror und Sabotage sind für ihn die große Herausforderung des Internets. Seine Beispiele waren entsprechend drastisch. “Nach Studien herrscht in jedem Land der Welt nach sechs Tagen Stromabschaltung Bürgerkrieg!” Die Bundesregierung verfüge über einen Cybersicherheitsrat, habe im BMWi eine Task Force und wolle auf europäischer Ebene eine DatenschutzVO nach deutschen Standards durchsetzen, die alle nationalen Regelungen ersetze. “Uns geht es bei unserer Politik um einen risikobasierten Ansatz”, bringt  der Innenminister den derzeitigen Blickwinkel der Bundesregierung auf den Punkt. Natürlich hat der Sektor der IT-Sicherheit einen nicht unerheblichen Marktwert, wie etwa Herbert Vogler von IT Inkubator Ost­bayern GmbH für den Standort Regensburg ausführt

Friedrichs Fokussierung auf die Gefahren des Internets blieb auf der Tagung freilich nicht ohne Kritik. So stellte beispielsweise die Vizepräsidentin von Microsoft Europe, Dorothee Belz, für den Wirtschaftsrat Deutschland fest, dass Datensicherheit zwar ein wichtiger Faktor sei, dennoch müsse die Internetwirtschaft als Chancensektor gestärkt werden. 220 Milliarden Euro Umsatz im IuK-Sektor seien beachtlich. “In den Programmen der Parteien zur Bundestagswahl 2013 käme das Thema weiterhin zu kurz.” Es fehle noch immer ein eigener Beauftragter der Bundesregierung für die digitale Wirtschaft.

Der Präsident des Wirtschaftsrates, Kurt Lauk, forderte bei der Herausforderung “Big Data” vor dem Hintergrund der hohen Innovationsdichte und -geschwindigkeit mehr Mut von allen Beteiligten. Tatsächlich speichert nach der aktuellen Studie “Wachstumsmotor Big Data” (2013) die Menscheit weltweit jeden Tag 2,5 Exabyte an Daten, was 60 Büchern je Kopf entspricht. Die Datenmenge verdoppelt sich im Zweijahresrythmus. Vor diesem Hintergrund dürfen, so die Forderung des Wirtschaftsrates, Richtlinien zu Datenschutz und Datensicherheit nicht zu Lasten  der Innovationsfähigkeit gehen.

Ein Tagungsteilnehmer zurrt fast beiläufig die de facto-Herausforderung für die deutsche Internetwirtschaft denkwürdig treffend fest: “Unsere Netzpolitik muss weniger deutsch sein!”.

Bernhard Knapstein

 

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Wirtschaft fordert Ertüchtigung des Nord-Ostsee-Kanals und des Hamburger Hafens

european business network – ebn24.com

Bernhard Knapstein für ebn24TV im Gespräch mit Jens Broder Knudsen (Sartori & Berger).

Die Stimmen häufen sich, der norddeutsche Logistik-Standort könnte kollabieren. Der Nord-Ostsee-Kanal hat erheblichen Sanierungsbedarf und der Hamburger Hafen kämpft um die Fahrrinnenvertiefung. Über die Situation hat Bernhard Knapstein für ebn24TV mit dem Kieler Unternehmer Jens Broder Knudsen, Geschäftsführender Gesellschafter der Sartori & Berger GmbH Co. KG a.A. gesprochen.

Der Logistikstandort Deutschland gilt weltweit als einer der am besten ausgebauten. Für die Maritime Wirtschaft ist dies dennoch kein Grund für Lobgesänge. Vielmehr sei der Standort Deutschland schon allein aufgrund der Vernachlässigung des norddeutschen Logistikstandortes akut gefährdet.

Jens Broder Knudsen, Unternehmer für Schifffahrtdienstleistungen

Jens Broder Knudsen  von Sartori & Berger, dem Kieler Traditionsunternehmen für Schifffahrtsdienstleistungen, gehört zu den Vertreten, die auch gegenüber der Politik klare Worte finden. Für Knudsen ist die Fahrrinnenanpassung der Elbe und die Sanierung des Nord-Ostsee-Kanals unumgänglich. “Der Nord-Ostsee-Kanal ist die Lebensader für den Hamburger Hafen in den Ostseeraum. 30 % der in den Ostseeraum gehenden Container gehen durch den Nord-Ostsee-Kanal und da ist es notwendig, dass dieser Kanal ertüchtigt wird“, fordert der Unternehmer im Gespräch mit ebn24TV.

Die Infrastruktur sei jahrzehntelang vernachlässigt worden, so dass nun ein unglaublicher Investitionsstau bestehe. Der zeige sich darin, dass Infrastruktur wie etwa Schleusentore ausfallen und so erhebliche Wartezeiten für die Schifffahrt entstünden. Die sonst sehr verlässliche Wasserstraße Nord-Ostsee-Kanal sei damit für Reeder kaum mehr planbar.

In der Tat sind gerade erst die Brunsbütteler Schleusen ausgefallen, so dass mehr als 1000 Schiffe den Nord-Ostsee-Kanal nicht passieren können und den weiten Weg um Dänemark in die Ostsee nehmen müssen.

Containerumschlag im Hamburger Hafen, (c) ebn24TV

Der Unternehmer, der auch für den CDU-nahen Wirtschaftsrat spricht, unterstützt vor diesem Hintergrund die Forderung, dass “1 Prozent des Bundesverkehrsetats für die Ertüchtigung des Nord-Ostsee-Kanals” bereit gestellt werden, um somit auch die Wettbewerbsfähigkeit des Hamburger Hafens zu erhalten.

Knudsen weist daraufhin, “dass die Forderung nach dem Ausbau unserer Infrastruktur hier im Norden, gerade als Randlage in der Bundesrepublik keine romantische Träumerei der Küste ist“. Die Politik und die Exportorientierten Unternehmen in Süddeutschland müssten begreifen, dass dies eine nationale Aufgabe sei, die auch in die Bundesländer des Südens hineinreicht.

Der Hamburger Hafen braucht die Elbvertiefung. (c) ebn24TV

In diesem Zusammenhang verweist Knudsen auf eine aktuelle OECD-Studie zur Wirtschaftlichkeit des Hamburger Hafens. Nach dieser Studie seien die positiven wirtschaftlichen Effekte im Raum Bayern und Baden-Württemberg um ein vielfaches höher als die in der Metropolregion Hamburg selbst. Dies unterstreiche den nationalen Rang der Aufgabe.

Auch die Einrichtung des Tiefseehafens Jade-Weser-Port ersetze nicht den Ausbau des Hamburger Hafens, da das neue Projekt der Bundesländer Niedersachsen und Bremen gar nicht die erforderliche Hinterlandanbindung und Frequenz bereitstellen könne. Wilhelmshaven und Hamburg seien schlichtweg nicht vergleichbar. “Am Ende des Tages  ist die Lieferkette ausschlaggebend“, erklärt Knudsen. Von der Produktion bis zum Zielort müsse auf der Straße, im kombinierten Verkehr und im Seehafen alles funktionieren.

Unternehmer Knudsen wünscht sich von der Politik, sich mehr auf den Rat der Wirtschaft einlassen. Der Wirtschaftsrat, der im April 2013 auf dem Norddeutschen Wirtschaftstag auch die Maritime Wirtschaft präsentieren wird, ausein, böte hierfür eine genau die richtige Plattform.

 

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