Aktuelle Signale für mehr Wettbewerb auf dem Energiemarkt

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Nach den Insolvenzen bei deutschen Photovoltaik-Unternehmen in den Vorjahren, hat es mit der Pleite des Itzehoer Windkraft-Investors Prokon und der Insolvenz der ebenfalls über den Verkauf von Genussrechten finanzierten Windwärts Energie GmbH nun auch einen zweiten Sektor der Erneuerbaren erwischt. Während die Photovoltaikbranche schlichtweg den chinesischen Billigprodukten erlag, haben wir es im Falle von Prokon und Windwärts mit einem Systemabsturz zu tun.

Nicht jede alternative Energie ist eine sichere Alternative

Die Panik unter den Prokon-Anlegern nach einem großen Verlustjahr 2014 war vor allem auch deshalb ausgebrochen, weil die rund 75.000 Kleinanleger Verluste aufgrund der EEG-Garantien schlichtweg nicht vorgesehen hatten. Prokon hatte 6 % Rendite garantiert und bis zu 8 % ausgezahlt. Bisher galt bei Anlagen im Bereich der Erneuerbaren der Grundsatz: hier kann man nichts falsch machen. Die Insolvenzen – so tragisch sie für den einzelnen Anleger auch sein mögen – sind nicht nur einem fragilen Geschäftsmodell geschuldet. Das Aus von Prokon und Windwärts ist auch Auftakt und vorläufiges Zwischenergebnis der angekündigten und dringend notwendigen Korrektur bei den Vergütungsgarantien und dem Einspeisevorrang beim EEG. Die Botschaft lautet: Mehr Markt und damit mehr Wettbewerb für alle.

Doch auch Biomasse ist nicht risikofrei. So droht nun einem Heizkraftwerk der Gemeinde Feldberg an der Mecklenburgischen Seenplatte die Insolvenz und den Energiekunden, darunter auch eine Schule, ein Kindergarten sowie ein Alten- und Pflegeheim die Kälte. Im niedersächsischen Heidekreis hat es binnen kurzer Zeit Vorfälle durch technisches Versagen gegeben: ein Kraftwerk hat durch Abflüsse die umliegenden Gewässer biologisch getötet, ein weiteres ist im vergangenen Herbst abgebrannt. Abgesehen davon ist die Akzeptanz aufgrund der “Vermaisung” der Region eher durchwachsen.

Krim-Krise und die Risiken der deutschen Abhängigkeit von russischem Gas

Als neues Damosklesschwert schwebt über den Standort Deutschland und weitere Teile Europas nun die Krim-Krise und das drohende Aus der Gas- und Öllieferungen für Deutschland. Die Preise für Gas, Öl und Benzin werden im Ernstfall durch die Decke gehen. Die deutsche Abhängigkeit von russischen Energielieferungen zeigt nun ihre üble Fratze, während die sichersten Kernkraftwerke der Welt in unserem Umland still liegen und partiell demontiert werden. Natürlich ist auch Russland selbst abhängig vom Absatz seiner Ressourcen, natürlich haben schon jetzt die Kursrutsche und die Kapitalflucht aus Putins Reich das Land in kürzester Zeit auch wirtschaftlich angeschlagen. Dennoch: die große Abhängigkeit von einem Lieferanten birgt Risiken, die nun durch ein höheres Maß an Selbstversorgung auszugleichen sind. Das rückt auch das in Deutschland hoch umstrittene Fracking wieder in den Vordergrund der Diskussion.

Kernkraft und Kohle sind schon wegen ihrer Endlichkeit unstreitig keine optimalen Energiequellen, selbst wenn man Zweifel an der menschlichen Ursache eines möglichen Klimawandels haben sollte. Die gewaltigen Risiken der Energiewende müssen behoben und die Unbedingtheit der vorgegebenen kurzen Zeitrahmen überdacht werden. Wir riskieren sonst den deutschen Industriestandort und aufgrund der Kostenexplosion die Zukunft nachfolgender Generationen. Auch finanziell verschaffen wir uns Luft und Handlungsspielraum, wenn wir zumindest vorübergehend die Kernkraft reaktivieren. Die Zeit muss dann genutzt werden, um die Stromtrassen für Offshore zu bauen und die Forschung im Bereich der Energiespeichertechnologie deutlich auszubauen.

Wirtschaftskrise, Staatsschulden-Krise, Krim-Krise – die Gegenwart hat uns gezeigt, dass die Energiewende nicht im Sprint und ohne finanzielle Ressourcen durchgeführt werden kann. Verschaffen wir uns doch die Zeit!

Bernhard Knapstein

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