Universität Leipzig: Herr Professorin, Sie lehren Gendersprache?

Die Universität Leipzig hat eine neue Stilblüte der Genderpolitik beschlossen: Fachkräfte des Hauses sind ab sofort nur noch in der weiblichen Form der Funktion anzusprechen. Der Lehrende ist ab sofort “Herr Professorin” . Eine Entscheidung, die nicht unkommentiert stehen bleiben darf.

Der Feminismus hat seit den kulturellen Umbrüchen der 68er nach schönen Erfolgen in den 70er und 80er Jahren zuletzt zunehmend fragwürdige Spitzen getrieben. So musste sich erst jüngst Bundesverkehrsminister Ramsauer einer Richtlinie der Bundesregierung beugen und aus der Straßenverkehrsordnung den Fußgänger und Radfahrer verbannen. Zu männlich schienen die Begriffe. Nun heißt es “zu Fuß Gehende” und “Rad Fahrende”. Was für einige wenige Hardcore-Feministen geschlechtsneutral oder genderpolitisch korrekt ist, ist für durchschnittliche Gleichberechtigungsfreunde nur noch kostspielige Sprachverunstaltung. “Haben die nichts anderes zu tun?”, so eine der häufigsten Fragen in den social networks wie facebook & Co. Brücken bröckeln, Straßen löchern, Bahnhöfe verloddern, Kanäle werden unpassierbar, manche Airports werden gar nicht erst eröffnet und norddeutsche Häfen kämpfen mit defekten Spundwänden oder zu wenig Tiefgang für die Hochseeschifffahrt. In der Tat darf man fragen: Gibt es keine wichtigeren Fragen als eigentlich unverdächtige Sprachregelungen in historischen und dennoch allgemein verständlichen Gesetzestexten der Genderisierung zu unterziehen?

Universität Leipzig ist jetzt ausschließlich weiblich

Doch Peter Ramsauer darf die Krone für sprachliche Stilblüten weiterreichen an die altehrwürdige Leipziger Universität, die Alma Mater Lipsiensis. Der Vorschlag auf Änderungen der Sprachregelung kam nicht von einer Frau, sondern von Physikprofessor Josef Käs, der sich nun – mit allen Kollegen – als “Herr Professorin” ansprechen lassen darf und muss.

Prof. Dr. Friederike Maier, die Gutachterin  der Genderlobbyisten des Zirkels “Gender Equality and Employment” in der Europäischen Komission, nennt den Leipziger Beschluss einen Akt der “Notwehr”. Birgit Kelle, Vorstandsmitglied des EU-Dachverbandes “New Women For Europe” ätzt in “The European” kräftig gegen: “Ja, wurde wirklich Zeit, dass Frau sich wehrt und sich jetzt stattdessen Männer schlecht fühlen, weil sie sprachlich nicht existieren.” Frau Siegmund Freud hätte sicherlich seine Freude daran.

Gleichstellung der Frau: Quote oder nicht?

Die freie Wirtschaft mag sich mit der fakultativen Besetzung von Vorstandspositionen durch Frauen im Sinne einer Geschlechtergleichstellung noch arrangieren. Natürlich sind wir gehalten zu fragen: Benachteiligen wir weibliche Kollegen bei der Besetzung von Führungspositionen? Und wenn sie dann nach guten Leistungen schwanger am Vorstandstisch sitzen, stellt sich durchaus die Folgefrage: Kann, will und wird sie die Kraft haben, nach der Geburt ihres Kindes sich wieder voll für das Wohl und Wehe von 500,  1.000 oder 10.000 Mitarbeitern einzusetzen? Die Frage ist so legitim, wie jene nach der Gesundheitsprognose von langfristig erkrankten Mitarbeitern. Warum auch nicht?

Harte Managerinnen können oft aus dem Vollen schöpfen. Fachkenntnisse, Erfahrung und Durchsetzungsvermögen paaren sich mit Sexappeal.

Sexappeal? Ist die Annahme, dass die Geschlechtlichkeit von weiblichen Führungskräften zumindest unbewusst eingesetzt wird, sexistisch? Feministen würden dies wahrscheinlich bejahen. Der zeichnende Blogger hält dies zumindest für legitim.  Wir Männer setzen auch unsere Wesensartund unsere männlichen Statussymbole ein. Der gut sitzende Anzug, das Auto der Premiumklasse, das männliche Selbstbewusstsein garniert nicht minder mit den vorhandenen Fachkenntnissen und erworbenen Erfahrungswerten als Beleg für nachhaltigen Erfolg. Das mag fragwürdig sein, doch legitim ist es allemal. Und natürlich ist auch Sexappeal ein legitimes Mittel, um ins Geschäft zu kommen, wenn es denn hilft, nicht rechtlich sittenwidrig ist und den Partnern zu einem guten Abschluss verhilft.

Doch was die einen können, gelingt anderen noch lange nicht. Genau das ist der Grund, weshalb Frauenquoten möglicherweise vorübergehend, aber keinesfalls auf Dauer ein Mehr an Gerechtigkeit auch in den Führungsstäben der Wirtschaft erzeugen können. Die Quote selbst destabilisiert die Frau zur Quotenfrau und minimiert ihren tatsächlichen Wert auf die reine Quote, selbst dann, wenn der reale Wert der neuen Führungskraft ihre Bestellung voll rechtfertigt.. Die Quote selbst trägt somit sexistische Züge in sich.

Gendersprache zieht politische Forderungen ins Lächerliche

Anja Gockel im Gespräch mit dem Autor über Mainz, Mode und Managerinnen. (c) ebn24TV

Die Modedesignerin Anja Gockel hat gegenüber ebn24TV im Interview die Quote eingefordert. Sie sei erforderlich, da sich in den vergangenen fünf Jahren fast nichts bewegt habe. Man müsse die Quote nur unter ein anderes Licht stellen, da die Frau – gemeint war die weibliche Wesensart – zur Lösung der komplexen Probleme unserer Welt beitragen könne. Die Grundthese stimmt zumindest, viel getan hat sich in den meisten Vorständen kaum. Aber stimmt auch die Schlussfolgerung, die Quote könne hier Abhilfe schaffen? Eine Frage, über die wir noch ein paar Jahre trefflich streiten werden.

Doch solch wichtige Debatten verblassen neben sinnlosen Sprachregelungen, die jedes Maß an Vernunft vermissen lassen und partiell berechtigte Forderungen torpedieren. Das Leipziger Modell – jede Fachkraft wird in der weiblichen Form benannt  – unterminiert den Ernst der Debatte. Welch männlicher Jungprofessor möchte nach seinem Ausscheiden im Zeugnis der Universität Leipzig schon bescheinigt bekommen, der “Herr Professorin” habe als “Forscherin” gute Ergebnisse erzielt?

Die vollständige Benachteiligung einer Seite zum Zwecke der Gleichberechtigung hat noch nie zum Ziel geführt. Die Sprache selbst wird von uns schon genug gepeinigt. Sprachliche Ungenauigkeiten verwirren nachwachsende Generationen und mindern letztlich massiv die Stabilität unserer Kultur und führen die kruden Auswüchse des Feminismus ad absurdum.

Natürlich mag auch der Blogger sich irren und sich vielleicht Bloggerin nennen müssen. Antoine de Saint-Exupéry urteilte aber letztlich wohl zu Recht:  Sprache ist die Quelle aller Missverständnisse. Das gilt potenziert zwischen den Geschlechtern.

Bernhard Knapstein

Dieser Beitrag wurde unter Hochschulen, Kommentar, Sprache abgelegt und mit , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort auf Universität Leipzig: Herr Professorin, Sie lehren Gendersprache?

  1. Es besteht noch Hoffnung: Die Juristische Fakultät verweigert sich der fragwürdigen Sprachdiktion und fordert den Senat der Universität auf, wieder zur Sacharbeit zurückzukehren. http://www.uni-leipzig.de/~jura/images/Erklrung%20Dekan%206.6.13.pdf

Hinterlasse einen Kommentar zu Bernhard Knapstein Antworten abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>