Mieses Klima: Der Hamburger Hafen, die Elbvertiefung und die reine Lehre

Die Elbvertiefung als substanzerhaltende Maßnahme für den Hamburger Hafen bleibt ein politisches Reizthema zwischen grünem Fundamentalismus und wirtschaftlicher Vernunft. Dass die Klimaforschung hier überzieht, das meinen sogar Klimaforscher.

Containerumschlag im Hamburger Hafen. (c) ebn24TV/Knapstein

Die Zeiten, da Kiwis und Physalis exotische Früchte waren, sind vorbei. T-Shirts und Hosen werden in Bangladesch genäht, Schuhe in China geklebt und Einzelteile unserer deutschen Automarken in aller Welt gepresst. Der weltweite Güterverkehr nimmt dem entsprechend zu, denn das ist die sichtbare Folge der Globalisierung unserer Weltwirtschaft, die eben auch dem einfachen Arbeiter den Erwerb einer Kiwi ermöglicht.

Kräne im Stillstand. (c) ebn24TV/Knapstein

Stößt der Logistikstandort Hamburg an Grenzen?

Der europäische Handel für südamerikanische und vor allem chinesische Waren wird zu einem großen Teil über den Hamburger Hafen abgewickelt. Das gilt insbesondere für Produkte, die den Weg nach Nord-Osteuropa und Russland suchen. Da die für den Warenverkehr benötigten Schiffe immer gewaltiger und ihr Tiefgang entsprechend größer wird, stoßen die Kapazitäten des Hamburger Hafens bereits an Grenzen. Die größten Containerriesen müssten zuerst in Rotterdam erleichtert werden, um bis in die Hansestadt vordringen zu können. Ein kostspieliges und zeitraubendes Verfahren, das Hamburg schnell zurückwerfen und die niederländischen Häfen endgültig in eine vorzügliche Position bringen wird.

Die Elbvertiefung in der Klimaforschung

An der Elbvertiefung kommt Deutschland nicht vorbei. Zumindest nicht, wenn es nach der deutschen Wirtschaft geht, wie etwa Jens Broder Knudsen von Sartori & Berger fordert. Doch wenn der Ausbau des Standortes ansteht, stehen allenthalben die mit staatlichen Milliardensummen alimentierten Klimaforscher auf dem Plan. Im Fall des Hamburger Hafens ist es ein niederländisches Gutachten, das von einem drohenden “Umkippen” der Elbe spricht und damit den Gegnern der Elbvertiefung, darunter die Partei der Grünen, neue Munition liefert. Wenn allerdings ein niederländisches Klimaforschungs-Gutachten sich gegen eine Elbvertiefung ausspricht, dann steht automatisch auch das “Cui bono?” und die Frage nach der politischen Unabhängigkeit der Forschung im Raum.

Zur Vermeidung von Unterstellungen genügt es indessen auch, wenn man deutsche Vertreter der Erderwärmungsthese zu Wort kommen lässt.  Klimatologe Hans von Storch hat gegenüber der WELT vom 29. April 2013 seine Belustigung über dramatische Überzeichnungen seiner Kollegen in Sachen Elbvertiefung zum Ausdruck gebracht. Selbst wenn die Salzwassergrenze etwas weiter ins Landesinnere rücken wird, habe dies längst keine so gravierende Auswirkungen wie frühere Elbvertiefungen. Entwarnung also von einem Klimaforscher, der ein bekennender Vertreter der These von der Erderwärmung ist.

Seine Kritik richtet sich insbesondere aber gegen die Politisierung der Wissenschaft. Von Storch fordert mehr Distanz zwischen der Fakten liefernden Wissenschaft und der daraus Handlungsleitlinien ableitenden Politik. Von Storch, der für das Helmholtz-Zentrum in Geesthacht tätig ist, hat seine Kritik auch in seinem im Carl Hanser Verlag erschienenen Buch “Die Klimafalle” zum Ausdruck gebracht und vor Priestertum in der Wissenschaft gewarnt. Zu Recht, erfordert die Freiheit der Wissenschaft neben dem Verbot der politischen Einflussnahme auf die Forschung nicht auch die Loslösung der Forschung von politischer Voreingenommenheit? Insbesondere einigen Klimaforschern, mit dem Hang zur Unheilsverkündung, stünde etwas mehr Elfenbeinturm der Forschung, etwas mehr von der reinen Lehre  gut zu Gesicht. Die Autonomie der Wissenschaft steht grundsätzlich in einem Gegensatz zur Wissenschaftsberatung, wie etwa der Konstanzer Philosoph Jürgen Mittelstraß kritisiert, der sogar die Akademie Leopoldina ablehnt, die genau diesen Auftrag hat.

Eine scharfe Trennung zwischen Forschung und Politik kann es nicht geben, da einerseits Forschungsergebnisse auch der allgemeinverständlichen Erläuterung bedürfen und andererseits die Politik auch künftige Szenarien berechnet haben möchte. Die Frage “Was passiert, wenn…?” gehört zu einer vorausschauenden Politik wie das Amen in die Kirche. Kritisch wird es indessen dann, wenn Politik Gutachten bestellt, über Ergebnisse vorab informiert werden möchte und vielleicht sogar mit der Ablehnung von Gutachten droht, sollten diese nicht das gewünschte Ergebnis bringen. Auch sind Wissenschaftler nicht davor gefeit, Gutachten in die gewünschten Richtung zu liefern, um lukrative Folgeaufträge aus dem entsprechenden politischen Lager zu erhalten.

Letztlich ist es Sache des Souveräns, des Wählers, die Trennlinie zwischen dem Erhalt des natürlichen Umfeldes und dem Erhalt von Arbeitsplätzen zu ziehen, indem er sich zwischen grüner Idylle und dem Erhalt von Arbeitsplätzen bei der Vergabe seiner Stimme entscheidet. Im Internet wird dieses nicht immer, aber doch oft sinnstiftende Verhalten auch Schwarmintelligenz genannt.

Bernhard Knapstein

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