Wirtschaft fordert Ertüchtigung des Nord-Ostsee-Kanals und des Hamburger Hafens

european business network – ebn24.com

Bernhard Knapstein für ebn24TV im Gespräch mit Jens Broder Knudsen (Sartori & Berger).

Die Stimmen häufen sich, der norddeutsche Logistik-Standort könnte kollabieren. Der Nord-Ostsee-Kanal hat erheblichen Sanierungsbedarf und der Hamburger Hafen kämpft um die Fahrrinnenvertiefung. Über die Situation hat Bernhard Knapstein für ebn24TV mit dem Kieler Unternehmer Jens Broder Knudsen, Geschäftsführender Gesellschafter der Sartori & Berger GmbH Co. KG a.A. gesprochen.

Der Logistikstandort Deutschland gilt weltweit als einer der am besten ausgebauten. Für die Maritime Wirtschaft ist dies dennoch kein Grund für Lobgesänge. Vielmehr sei der Standort Deutschland schon allein aufgrund der Vernachlässigung des norddeutschen Logistikstandortes akut gefährdet.

Jens Broder Knudsen, Unternehmer für Schifffahrtdienstleistungen

Jens Broder Knudsen  von Sartori & Berger, dem Kieler Traditionsunternehmen für Schifffahrtsdienstleistungen, gehört zu den Vertreten, die auch gegenüber der Politik klare Worte finden. Für Knudsen ist die Fahrrinnenanpassung der Elbe und die Sanierung des Nord-Ostsee-Kanals unumgänglich. “Der Nord-Ostsee-Kanal ist die Lebensader für den Hamburger Hafen in den Ostseeraum. 30 % der in den Ostseeraum gehenden Container gehen durch den Nord-Ostsee-Kanal und da ist es notwendig, dass dieser Kanal ertüchtigt wird“, fordert der Unternehmer im Gespräch mit ebn24TV.

Die Infrastruktur sei jahrzehntelang vernachlässigt worden, so dass nun ein unglaublicher Investitionsstau bestehe. Der zeige sich darin, dass Infrastruktur wie etwa Schleusentore ausfallen und so erhebliche Wartezeiten für die Schifffahrt entstünden. Die sonst sehr verlässliche Wasserstraße Nord-Ostsee-Kanal sei damit für Reeder kaum mehr planbar.

In der Tat sind gerade erst die Brunsbütteler Schleusen ausgefallen, so dass mehr als 1000 Schiffe den Nord-Ostsee-Kanal nicht passieren können und den weiten Weg um Dänemark in die Ostsee nehmen müssen.

Containerumschlag im Hamburger Hafen, (c) ebn24TV

Der Unternehmer, der auch für den CDU-nahen Wirtschaftsrat spricht, unterstützt vor diesem Hintergrund die Forderung, dass “1 Prozent des Bundesverkehrsetats für die Ertüchtigung des Nord-Ostsee-Kanals” bereit gestellt werden, um somit auch die Wettbewerbsfähigkeit des Hamburger Hafens zu erhalten.

Knudsen weist daraufhin, “dass die Forderung nach dem Ausbau unserer Infrastruktur hier im Norden, gerade als Randlage in der Bundesrepublik keine romantische Träumerei der Küste ist“. Die Politik und die Exportorientierten Unternehmen in Süddeutschland müssten begreifen, dass dies eine nationale Aufgabe sei, die auch in die Bundesländer des Südens hineinreicht.

Der Hamburger Hafen braucht die Elbvertiefung. (c) ebn24TV

In diesem Zusammenhang verweist Knudsen auf eine aktuelle OECD-Studie zur Wirtschaftlichkeit des Hamburger Hafens. Nach dieser Studie seien die positiven wirtschaftlichen Effekte im Raum Bayern und Baden-Württemberg um ein vielfaches höher als die in der Metropolregion Hamburg selbst. Dies unterstreiche den nationalen Rang der Aufgabe.

Auch die Einrichtung des Tiefseehafens Jade-Weser-Port ersetze nicht den Ausbau des Hamburger Hafens, da das neue Projekt der Bundesländer Niedersachsen und Bremen gar nicht die erforderliche Hinterlandanbindung und Frequenz bereitstellen könne. Wilhelmshaven und Hamburg seien schlichtweg nicht vergleichbar. “Am Ende des Tages  ist die Lieferkette ausschlaggebend“, erklärt Knudsen. Von der Produktion bis zum Zielort müsse auf der Straße, im kombinierten Verkehr und im Seehafen alles funktionieren.

Unternehmer Knudsen wünscht sich von der Politik, sich mehr auf den Rat der Wirtschaft einlassen. Der Wirtschaftsrat, der im April 2013 auf dem Norddeutschen Wirtschaftstag auch die Maritime Wirtschaft präsentieren wird, ausein, böte hierfür eine genau die richtige Plattform.

 

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten auf Wirtschaft fordert Ertüchtigung des Nord-Ostsee-Kanals und des Hamburger Hafens

  1. Wahnsinnig toll ausgedrückt. Die Einzelheiten sind selbstverständlich brauchbar. Bin ab diesen Moment ein Freund für die Ewigkeit. Einfach riesig.

  2. Pingback: Mieses Klima: Der Hamburger Hafen, die Elbvertiefung und die reine Lehre | blog.ebn24

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>