Slowenien: Holz, Logistik, IT und Erneuerbare haben noch Potential

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ebn24 im Gespräch mit Gertrud Rantzen über die aktuellen Investitionsvoraussetzungen am Standort Slowenien. Das Gespräch mit der Geschäftsführerin der Deutsch-Slowenischen Industrie- und Handelskammer führte Bernhard Knapstein.

Die Geschäftsführerin der AHK Slowenien, Gertrud Rantzen.
(c) AHK Slowenien/Jaka Adamic

ebn24: Sehr geehrte Frau Rantzen, bitte erläutern Sie uns wo die wirtschaftlichen Kernkompetenzen des Standortes Sloweniens liegen.

Rantzen: Slowenien kann durch seine zentrale Lage in Europa, seine Nähe zu Deutschland und seine gut ausgebildeten Fachkräfte punkten. Es ist kulturell das westlichste Land der Region. Die Slowenen besitzen zudem generell gut ausgeprägte Fremdsprachenkenntnisse, vor allem Deutsch, Englisch und Italienisch. Sie sind leistungsbereit und motiviert und Slowenien besitzt einen hohen Lebensstandard.

ebn24: Gute Bedingungen also für Investitionen.

Rantzen: In der Tat. Rund die Hälfte aller deutschen Unternehmen ist unmittelbar nach der Unabhängigkeit 1991 nach Slowenien gekommen. Den größten Zustrom deutscher Investitionen erlebte Slowenien Mitte der 90er Jahre. Deutsche Unternehmen beginnen ihr Engagement in Slowenien meist mit kleinen Betriebseinheiten und bauen das Engagement dann kontinuierlich aus. Neben dem Engagement als sogenannte verlängerte Werkbank, haben deutsche Unternehmen zunehmend ihre Entwicklungsbereiche nach Slowenien ausgelagert.

ebn24: Weshalb gerade den Entwicklungssektor?

Rantzen: Slowenien verfügt über einen hohen Grad der technischen Ausbildung und hat traditionell einen sehr starken Forschungs- und Entwicklungsbereich.

In Slowenien locken interessante Einspeisevergütungen

ebn24: In welchen Sektoren ist eine Kooperation mit Zulieferern denkbar?

Die AHKs beraten Investoren über die Gegebenheiten und mögliche Kooperationspartner am Standort.
(c) AHK Slowenien

Rantzen: Generell sind Kooperationen in der Automobilindustrie, der Elektronikindustrie, im IT-Bereich und der Metallverarbeitung denkbar. Potential  sehe ich vor allem in der Holzindustrie und  bei Logistik- und Infrastrukturprojekten. Des Weiteren sehe ich noch Potential für Erneuerbare  Energien, der Energieeffizienz und natürlich im Tourismus. Aber insbesondere die Bereiche Erneuerbare Energien und Energieeffizienz sind in auch in naher Zukunft interessant für deutsche Investoren. Zunehmend stark sind in Slowenien nach wie vor der Dienstleistungssektor und der Bereich Transport & Logistik.

ebn24: Inwiefern ist der Bereich Erneuerbare Energien ein interessanter Kooperationssektor?

Rantzen: Es gibt noch immer interessante Einspeisevergütungen.

ebn24: Gibt es denn so etwas wie eine slowenische Energiewende?

Rantzen: Nein, dass kann man so nicht sagen. Slowenien hält weiterhin an der Kernkraft fest. Allerdings haben sich insbesondere im privaten Bereich aufgrund der interessanten Förderung viele Bauherren von dem Konzept „Erneuerbare Energien“ oder auch Low-Energy Houses überzeugen lassen. In den Produktionsfirmen findet aufgrund der immensen Energiekosten auch ein langsamer Prozess des Umdenkens statt. Neben erneuerbare Energien geht hier viel mit Energiesparmaßnahmen.

ebn24: Welche Vorteile können sich Unternehmen von solchen Kooperationen erhoffen?

Rantzen: Die Kooperationen lohnen sich für deutsche Unternehmen, auf Grund der hohen Qualität der Produkte und des guten Preis-Leistungs-Verhältnisses.

Risiken: Lohnkosten, Zahlungsmoral und Bürokratie

ebn24: Welche Produktionsrisiken muss man am Standort einkalkulieren wie zum Beispiel Streiktage oder bezüglich der Arbeitsmoral?

(c) AHK Slowenien

Rantzen: Slowenien leidet leider immer noch unter zu hohen Produktions- und Arbeitskosten im Vergleich zu anderen osteuropäischen Ländern. Auch lässt die Zahlungsdisziplin oft noch zu wünschen übrig. Außerdem arbeitet die Bürokratie zu langsam und ist uneffektiv.

ebn24: Ist die Zahlungsdisziplin branchenimmanent oder eine Mentalitätsfrage?

Rantzen: Die Zahlungsdisziplin war bis zur Krise immer gut. Wir haben in den letzten 2 Jahren im Rahmen unserer Umfragen eine Verschlechterung festgestellt.

ebn24: Welche Rolle spielt Korruption am Standort und welche Branchen sind davon besonders betroffen?

Rantzen: Slowenien leidet weniger unter Korruption als unter dem kleinen slowenischem Markt und der weit verbreiteten Vetternwirtschaft. Persönliche Beziehungen sind immer noch ausschlaggebend bei der Vergabe von Posten und Aufträgen.

Slowenien plant Infrastrukturausbau im Bereich Verkehr und Logistik

ebn24: Thema Bürokratie: Auf welche zeitraubende Verwaltungsgänge (Steuern, Zölle, Sicherheitsbestimmungen etc.) müssen sich deutsche Unternehmer einstellen?

(c) Oliver Weber / pixelio.de

Rantzen: Es gibt leider lange Verfahrensdauern bei der Registrierung der Mehrwehrsteuernummern und auch die Vergabe von Baugenehmigungen zieht sich in die Länge.

ebn24: Gibt es besondere Herausforderungen im infrastrukturellen Bereich, die beachtet werden müssen?

Rantzen: Der slowenische Staat hat einige Projekte aufgegriffen, die in Zukunft besonderer Beachtung bedürfen. Zum einen die zweite Schienenstrecke zwischen dem Hafen in Koper und Divača. Dann die Schnellstraße von Norden nach Süden und die Erweiterung des Hafens in Koper, der Anbau eines dritten Piers.

ebn24: Gibt es eine einfach gestrickte Mentalitätsbeschreibung, die man pauschal dem Menschenschlag am Standort Slowenien zuordnen könnte?

Rantzen: Die Slowenen sind sehr familienorientiert und hegen wie gesagt enge persönliche Beziehungen. Sie sind heimatverbunden und sehr nationalbewusst. Ferner sind ihnen Gleichbehandlung und Hilfsbereitschaft wichtig.

Image der Deutschen: Diszipliniert, aber auch eigensüchtig

ebn24: Und der Gegenblick: welches Image haben die Deutschen in Slowenien?

Rantzen: Die Deutschen werden als individualistisch und diszipliniert wahrgenommen. Leider aber auch als eigensüchtig. Des Weiteren hört man oft die typischen deutschen Eigenschaften, wie arbeitsorientiert, pünktlich und fachlich kompetent.

ebn24: Welche Unterstützung bietet die AHK den interessierten Unternehmen?

Rantzen: Die AHK Slowenien bietet den deutschen Unternehmen ein breites Portfolio von Dienstleistungen an. Dazu zählen Dienstleistungen zum Auf- und Ausbau der Marktpräsenz, der Adressenrecherche, der Geschäftspartnervermittlung, wir bieten Fördermittelberatung, helfen bei Firmengründungen und geben Bonitätsauskünfte. Des Weiteren helfen wir Firmen ihr Tagesgeschäft zu meistern, indem wir Rechtsinformationen zur Verfügung stellen, bei der Lohnbuchhaltung und der MwSt-Registrierung helfen. Und natürlich leisten wir Übersetzungen.

ebn24: Herzlichen Dank für das Gespräch, Frau Rantzen!

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3 Antworten auf Slowenien: Holz, Logistik, IT und Erneuerbare haben noch Potential

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